DSGVO, AI Act & Co.: Was CRM-Verantwortliche 2026 beachten müssen

  • CAS Team
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Mit der Verabschiedung des AI Acts im Jahr 2024 hat die Europäische Union einen einheitlichen Rahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz geschaffen. Gleichzeitig bleibt die DSGVO die zentrale Grundlage für den Umgang mit personenbezogenen Daten.

Für Unternehmen steigen damit die Anforderungen, insbesondere im Zusammenspiel von Daten und KI. CRM-Lösungen nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein: Sie bündeln Kundendaten, bilden Prozesse ab und werden zunehmend zur Basis für KI-gestützte Anwendungen.

Gerade für mittelständische Unternehmen ist ein leistungsfähiges CRM entscheidend, um regulatorische Vorgaben sicher umzusetzen und gleichzeitig die Potenziale von KI entlang der Customer Journey zu nutzen.

Dieser Beitrag zeigt, worauf CRM-Verantwortliche im Jahr 2026 achten sollten und wie sie ihr CRM zukunftssicher aufstellen.

DSGVO – Datenschutz bleibt zentral

Auch im Jahr 2026 bleibt die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) die maßgebliche Grundlage für den Umgang mit personenbezogenen Daten. Gerade im B2B-Umfeld, in dem häufig mit geschäftlichen Kontaktdaten gearbeitet wird, ist die rechtskonforme Verarbeitung weiterhin essenziell.

Für CRM-Verantwortliche bedeutet das insbesondere, Einwilligungen sauber zu dokumentieren, berechtigte Interessen sorgfältig abzuwägen und den Grundsatz der Datenminimierung konsequent umzusetzen. Diese Anforderungen wirken sich direkt auf zentrale CRM-Funktionen wie Lead-Scoring, Tracking und Profiling aus.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Unternehmen müssen jederzeit belegen können, auf welcher Rechtsgrundlage Daten verarbeitet werden und wie entsprechende Prozesse im CRM-System abgebildet sind.

Praxis-Check: DSGVO im CRM 2026

  • Sind Einwilligungen vollständig und revisionssicher dokumentiert?
  • Werden legitime Interessen klar begründet und regelmäßig überprüft?
  • Ist sichergestellt, dass nur notwendige Daten erhoben und genutzt werden?
  • Sind alle datenbezogenen Prozesse im CRM nachvollziehbar dokumentiert?

EU AI Act – KI im CRM bekommt klare Regeln

Mit dem AI Act schafft die Europäische Union erstmals verbindliche Vorgaben für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz – auch im CRM. Typische Anwendungsfälle wie Lead-Scoring, Vertriebsprognosen oder automatisierte Kundeninteraktionen fallen damit zunehmend unter regulatorische Anforderungen.

Im Mittelpunkt stehen Risikoklassifizierungen, Transparenzpflichten sowie umfangreiche Dokumentationsanforderungen. Unternehmen müssen klar darlegen, wie KI-Systeme Entscheidungen treffen und welche Daten dafür genutzt werden.

Besonders relevant für CRM-Verantwortliche sind zudem Anforderungen an die Erklärbarkeit von KI-Ergebnissen sowie die Möglichkeit zur menschlichen Übersteuerung („Human Oversight“). Automatisierte Entscheidungen dürfen nicht intransparent oder unkontrollierbar erfolgen.

Consent-Management wird strategisch

Mit steigenden regulatorischen Anforderungen entwickelt sich Consent-Management von einer operativen Pflichtaufgabe zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Unternehmen müssen Einwilligungen nicht nur einholen, sondern differenziert, transparent und systematisch verwalten.

Gefragt sind granulare Einwilligungen, die es ermöglichen, unterschiedliche Nutzungszwecke klar voneinander zu trennen. Gleichzeitig gewinnen First-Party-Data-Strategien an Bedeutung, da Third-Party-Cookies zunehmend an Relevanz verlieren. Das CRM wird dabei zur zentralen Instanz für die Verwaltung und Dokumentation aller Einwilligungen.

Auch etablierte Verfahren wie das Double-Opt-in geraten stärker in den Fokus und sollten im Hinblick auf Nutzerfreundlichkeit und Nachweisbarkeit überprüft werden. Die lückenlose Dokumentation bleibt dabei eine Daueraufgabe, die technisch und organisatorisch sauber im CRM verankert sein muss.

KI-Features im CRM verantwortungsvoll einsetzen

Der Einsatz von KI im CRM eröffnet neue Potenziale, erfordert aber zugleich klare Leitplanken. Vor der Einführung KI-gestützter Funktionen sollten Unternehmen eine strukturierte Risikoanalyse durchführen und die jeweiligen Anwendungsfälle bewerten.

Darüber hinaus gewinnt eine unternehmensweite KI-Governance an Bedeutung. Sie definiert verbindliche Regeln für den Einsatz, die Überwachung und die Weiterentwicklung von KI-Systemen im CRM.

Ein zentraler Aspekt ist dabei die Sicherstellung von Human Oversight: Automatisierte Entscheidungen müssen überprüfbar bleiben und im Zweifel durch Menschen korrigiert werden können. Ebenso sollten CRM-Verantwortliche ihre Technologieanbieter kritisch prüfen, etwa im Hinblick auf Compliance-Nachweise und regulatorische Standards.

Datenminimierung vs. Personalisierungsdruck

Ein zentrales Spannungsfeld im CRM bleibt auch 2026 bestehen: Während Marketing und Vertrieb zunehmend auf personalisierte Ansprache setzen, fordert der Gesetzgeber eine konsequente Datenminimierung.

Für Unternehmen bedeutet das, bewusst abzuwägen, welche Daten tatsächlich notwendig sind und wie sie sinnvoll eingesetzt werden können. Ziel ist es, Relevanz für den Kunden zu schaffen, ohne unnötige Daten zu erheben oder zu speichern.

Hier setzt das Prinzip „Privacy by Design“ an: Datenschutz wird von Anfang an in Prozesse und Systeme integriert, statt nachträglich ergänzt. Richtig umgesetzt, kann dies nicht nur regulatorische Risiken reduzieren, sondern auch Vertrauen schaffen und damit zum Wettbewerbsvorteil werden.

Audit bestehender CRM-Systeme

Ein strukturierter Blick auf das bestehende CRM-System ist der erste Schritt, um regulatorische Anforderungen und KI-Nutzung in Einklang zu bringen. Viele Unternehmen setzen bereits KI-gestützte Funktionen ein – oft ohne vollständige Transparenz über deren Funktionsweise und Datenbasis.

CRM-Verantwortliche sollten daher systematisch erfassen, welche KI-Module bereits im Einsatz sind und an welchen Stellen Daten automatisiert angereichert oder verarbeitet werden. Ebenso wichtig ist die vollständige Dokumentation aller Datenflüsse sowohl innerhalb des CRM als auch über Systemgrenzen hinweg.

Praxis-Check: CRM-Audit

  • Welche KI-gestützten Funktionen sind aktuell im Einsatz?
  • Wo werden Daten automatisch angereichert oder verändert?
  • Sind alle Datenflüsse vollständig dokumentiert und nachvollziehbar?

Schnittstellen und Drittanbieter-Risiken

Moderne CRM-Systeme sind selten isoliert im Einsatz. Vielmehr sind sie eng mit weiteren Systemen wie Customer-Data-Plattformen (CDP), Marketing-Automation-Lösungen oder Tracking-Tools vernetzt. Diese Schnittstellen erhöhen jedoch auch die Komplexität und die regulatorischen Anforderungen.

Besondere Aufmerksamkeit erfordern internationale Datentransfers, insbesondere in Drittländer wie die USA. Hier müssen Unternehmen sicherstellen, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden und geeignete Schutzmaßnahmen bestehen.

Darüber hinaus sollten bestehende Auftragsverarbeitungsverträge regelmäßig überprüft und aktualisiert werden, um Transparenz und Rechtssicherheit zu gewährleisten.

Lifecycle-Management: Datenlebenszyklus und Löschkonzepte

Ein oft unterschätzter, aber zentraler Bestandteil der DSGVO-Compliance ist ein klar definiertes Lifecycle-Management für Daten. Unternehmen müssen festlegen, wie lange Daten gespeichert werden dürfen und wann sie zu löschen oder zu archivieren sind.

Automatisierte Löschroutinen helfen dabei, diese Anforderungen effizient umzusetzen und Risiken zu minimieren. Gleichzeitig entsteht ein Spannungsfeld zwischen regulatorischen Vorgaben und dem Interesse von Marketing und Vertrieb, Daten möglichst lange zu nutzen.

Entscheidend ist daher ein klar dokumentierter Datenlebenszyklus mit nachvollziehbaren Löschfristen und definierten Prozessen, die im CRM-System technisch abgebildet sind.

Organisatorische und prozessuale Maßnahmen

Neben technischen und rechtlichen Anforderungen gewinnen organisatorische Rahmenbedingungen zunehmend an Bedeutung. Unternehmen müssen klare Verantwortlichkeiten definieren, Prozesse abstimmen und ihre Mitarbeitenden gezielt auf den Umgang mit KI und regulatorischen Anforderungen vorbereiten.

Eine zentrale Frage ist dabei die Rollenklärung: Wer trägt die Verantwortung für den Einsatz von KI im CRM? In der Praxis zeigt sich, dass diese Verantwortung nicht isoliert bei einer einzelnen Funktion liegen kann. Vielmehr ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Marketing, IT und Legal erforderlich, um sowohl Innovationspotenziale als auch regulatorische Anforderungen ausgewogen zu berücksichtigen.

Gleichzeitig steigt der Bedarf an gezielten Schulungsmaßnahmen. CRM-Teams müssen in die Lage versetzt werden, KI-gestützte Funktionen zu verstehen, Risiken zu erkennen und verantwortungsvoll zu nutzen. Ergänzend dazu sollten Unternehmen interne Richtlinien definieren, die den Einsatz von KI in Kampagnen und Kundenprozessen klar regeln und Orientierung im Arbeitsalltag bieten.

Checkliste: 10 Fragen, die sich CRM-Verantwortliche 2026 stellen sollten

Wenn eine CRM-Funktion personenbezogene Daten verarbeitet und KI nutzt, müssen DSGVO und AI Act parallel geprüft und dokumentiert werden. Die folgenden Fragen helfen dabei, den eigenen Status quo kritisch zu hinterfragen und zentrale Handlungsfelder zu identifizieren:

  • Gibt es für jede Datenverarbeitung im CRM eine dokumentierte Rechtsgrundlage nach DSGVO? (Einwilligung, Vertrag, berechtigtes Interesse etc.)
  • Weiß man genau, wo im CRM KI eingesetzt wird und haben wir ein vollständiges KI-Inventar?
  • Wurden die eingesetzten KI-Funktionen nach dem EU AI Act risikoklassifiziert? (Verboten, Hochrisiko, begrenztes Risiko, geringes Risiko)
  • Wurde geprüft, ob eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) erforderlich ist? Insbesondere bei Profiling, Scoring oder automatisierten Entscheidungen.
  • Sind die Transparenzinformationen aktuell? Werden Kunden klar über KI-Einsatz, Profiling oder automatisierte Entscheidungen informiert?
  • Ist „Human Oversight“ sichergestellt? Können Mitarbeitende KI-Entscheidungen überprüfen, korrigieren oder stoppen?
  • Sind die Anbieter (CRM- und KI-Tools) nachweislich DSGVO- und AI-Act-konform?
  • Sind CRM-Teams ausreichend geschult? Können sie Risiken, Bias und Fehlentscheidungen erkennen?

ExpertenTalk zum Thema

Fazit: DSGVO und AI Act gemeinsam denken

So anspruchsvoll die regulatorischen Anforderungen auch sind – sie bieten Unternehmen zugleich die Chance, sich klar zu differenzieren. Wer Datenschutz und den verantwortungsvollen Einsatz von KI konsequent umsetzt, schafft Vertrauen und stärkt langfristige Kundenbeziehungen.

Transparente Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Unternehmen, die offen darlegen, wie sie KI einsetzen und wie sie mit Daten umgehen, schaffen Orientierung und Sicherheit für die Kunden. Gerade im B2B-Umfeld kann dies zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist es, DSGVO und AI Act getrennt voneinander zu betrachten. Tatsächlich greifen beide Regelwerke parallel und in vielen Bereichen ergänzend ineinander.

  • Die DSGVO regelt den Umgang mit personenbezogenen Daten – von der Rechtsgrundlage über Transparenz bis hin zu Betroffenenrechten und Datensicherheit.
  • Der AI Act fokussiert sich auf das KI-System selbst – insbesondere auf Risikobewertung, Transparenz, Governance und Human Oversight.
  • Sobald KI im CRM zur Verarbeitung personenbezogener Daten eingesetzt wird, müssen beide Regelwerke vollständig berücksichtigt werden.

Unternehmen, die dies frühzeitig in ihre CRM-Strategie integrieren, profitieren doppelt: Sie reduzieren regulatorische Risiken und schaffen gleichzeitig eine belastbare Grundlage für den erfolgreichen Einsatz von KI. Genau darin liegt die Chance für nachhaltigen Erfolg im digitalen Wettbewerb.

Über den Autor
Die CAS Software AG, Experte für Kunden-beziehungsmanagement (CRM) und Konfigurations-lösungen (CPQ), widmet sich täglich Themen rund um Digitalisierung, Zukunftsfähigkeit und gelingenden Beziehungen. Im Fokus steht dabei Customer Centricity: Wer Kundenwünsche konsequent in den Mittelpunkt stellt und Beziehungen aktiv gestaltet, bleibt in einer dynamischen, digitalisierten Welt nachhaltig erfolgreich.

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