Low Code und No Code: Chancen für Unternehmen bei der Digitalisierung

  • CAS Team
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Der digitale Wandel im B2B-Vertrieb verlangt nach mehr Tempo, Flexibilität und Eigenständigkeit. Low Code- und No Code-Plattformen bieten genau das: Fachabteilungen können Anwendungen selbst erstellen, Prozesse optimieren und Ideen direkt umsetzen – ganz ohne lange Entwicklungszyklen. Was früher Monate dauerte, entsteht heute in wenigen Tagen.

Besonders bei CRM- und CPQ-Prozessen spielen diese Ansätze ihre Stärken aus. Konfigurationen, Preisregeln und Workflows lassen sich schnell anpassen und kontinuierlich weiterentwickeln. Gleichzeitig bleiben sie eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Systemen und schaffen Freiräume für strategische Weiterentwicklung.

Mit klaren Strukturen und Verantwortlichkeiten lassen sich auch potenzielle Risiken gut steuern. Erfahren Sie in diesem Beitrag, wie Sie Low Code und No Code gezielt einsetzen, Prozesse beschleunigen und gleichzeitig die Kontrolle behalten.

Warum Low Code und No Code für Unternehmen relevant sind

Der Softwarebedarf in Unternehmen wächst durch die zunehmende Digitalisierung, aber die nötigen Entwickler fehlen. Allein in Deutschland sind derzeit nach Zahlen des Branchenverbands Bitkom rund 109.000 IT-Fachkraftstellen unbesetzt. Gleichzeitig erwarten Kunden, Partner und interne Abteilungen immer schnellere digitale Lösungen. In genau dieser Situation bieten Low Code- und No Code-Plattformen einen Ausweg: Statt Anwendungen Zeile für Zeile zu programmieren, setzen Nutzer auf visuelle Baukastensysteme mit Drag-and-Drop-Oberflächen und vorgefertigten Modulen.

Den Bedarf an solchen Plattformen verdeutlichen aktuelle Zahlen: Das globale Marktvolumen von Low Code und No Code soll von knapp 29 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf über 264 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 steigen.

Vorteile von Low Code und No Code für Unternehmen

Mit Low Code oder No Code entstehen funktionsfähige Anwendungen in Tagen oder wenigen Wochen statt in Monaten. Unternehmen gewinnen dadurch die Agilität, auf neue Marktanforderungen oder regulatorische Änderungen zeitnah zu reagieren.

Weniger manueller Programmieraufwand senkt die Entwicklungskosten. Hinzu kommen Einsparungen bei Wartung und Betrieb, weil die Plattformanbieter Hosting, Updates und Skalierung übernehmen.

Ein besonderer Vorteil ist die breitere Verfügbarkeit von Entwicklungsmöglichkeiten in den Fachabteilungen. Mitarbeiter aus Vertrieb, Marketing, HR oder Operations können per Low Code und No Code eigene digitale Lösungen erstellen. Wer die Prozesse am besten kennt, gestaltet auch die passenden Tools. Das mindert Informationsverluste, die bei der Übergabe von Fachanforderungen an die IT-Abteilung typischerweise auftreten.

Und schließlich kommt es zur Entlastung der IT und der Entwicklerteams, die oftmals ein Flaschenhals in den Unternehmen sind. Wenn Fachabteilungen einfache Tools und Workflows selbst bauen, kann sich die IT auf komplexe Systemarchitekturen, Sicherheitsthemen und strategische Projekte konzentrieren.

Einsatzbereiche von Low Code und No Code in der Praxis

Im B2B-Umfeld haben sich mehrere Anwendungsfelder herauskristallisiert, in denen Low Code und No Code besonders wirkungsvoll sind:

  • Workflow-Automatisierung: Genehmigungsschleifen, Onboarding-Prozesse oder Spesenabrechnungen lassen sich visuell modellieren und automatisieren. Durchlaufzeiten sinken, Fehlerquoten ebenfalls.
  • Kunden- und Lieferantenportale: Unternehmen erstellen in kurzer Zeit Portale, über die Geschäftspartner Bestellungen nachverfolgen, Service-Tickets anlegen oder Dokumente hochladen können.
  • Modernisierung von Altsystemen: Statt gewachsene Systeme komplett abzulösen, legen Unternehmen moderne, cloudbasierte Oberflächen über bestehende Datenbanken. Über APIs bleiben die Daten synchron.
  • Dashboards und Reporting: Daten aus ERP, CRM und Marketing-Tools fließen in interaktive Echtzeit-Dashboards zusammen, die Fachabteilungen ohne tiefgreifende technische Kenntnisse aufbauen können.

Herausforderungen und Grenzen von Low Code und No Code

Bei allen potenziellen Vorteilen dürfen auch mögliche Risiken und Grenzen von Low Code und No Code nicht außer Acht gelassen werden. Das betrifft insbesondere die Sicherheit und die Compliance in Unternehmen.

Wenn Fachabteilungen ohne Absprache mit der IT eigene Anwendungen erstellen, entstehen fragmentierte Dateninseln und inkonsistente Prozesse. Klare Governance-Regeln sind deshalb unerlässlich.

Jede von Fachanwendern erstellte App, die auf sensible Daten zugreift, muss denselben Sicherheitsstandards genügen wie professionell entwickelte Software. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt zum Beispiel speziell für das Finanzwesen unter anderem robuste Authentifizierungsverfahren und restriktive Berechtigungskonzepte.

Für standardisierte Workflows und Benutzeroberflächen zur Dateneingabe sind Low Code-Plattformen bestens geeignet. Bei hochkomplexen Algorithmen, sehr großen Datenmengen oder spezifischen Rechtemodellen stoßen visuelle Entwicklungsumgebungen dagegen an Grenzen. Das zeigt eine Analyse, die bei Campana & Schott zur Entscheidung zwischen Low Code und High Code durchgeführt wurde.

Zu vermeiden ist außerdem ein sogenannter Vendor Lock-in: Wer Kernprozesse auf einer proprietären Plattform abbildet, begibt sich in eine Abhängigkeit vom Anbieter. Ein späterer Wechsel kann aufwändig und teuer werden. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig Export- und Migrationsmöglichkeiten prüfen.

Auswahl einer geeigneten Plattform

Die Entscheidung für eine Low Code- bzw. No Code-Plattform sollte strukturiert erfolgen. Analystenbewertungen von Gartner, Forrester und IDC liefern einen guten Überblick über den Reifegrad verschiedener Lösungen. Darüber hinaus empfiehlt das Fraunhofer Institut, vier Dimensionen systematisch zu bewerten:

  • Mensch: Wie intuitiv ist die Oberfläche? Welcher Schulungsaufwand ist für Nicht-Programmierer realistisch?
  • Technologie: Welche Konnektoren und APIs stehen bereit? Wie gut lässt sich die Plattform in die bestehende IT-Landschaft integrieren?
  • Organisation: Unterstützt die Plattform agile Arbeitsweisen? Bietet sie Governance-Funktionen, um Qualität und Sicherheit zu gewährleisten?
  • Aufgabe: Passt der Komplexitätsgrad der Plattform zum geplanten Anwendungsfall? Einfache Formulare erfordern andere Tools als komplexe Integrationen.

Außerdem lohnt es sich, die Zielgruppe der Nutzer genau zu definieren: Reine Fachanwender profitieren von No Code-Lösungen mit klaren Leitplanken, während Entwicklerteams mit Low Code-Plattformen arbeiten sollten, die Zugang zur Code-Ebene bieten.

Low Code und No Code am Beispiel moderner CRM- und CPQ-Strategien

Rolle in der Vertriebsdigitalisierung

Der B2B-Vertrieb ist komplex: lange Verkaufszyklen, viele Entscheidungsträger, beratungsintensive Produkte. Starre CRM-Standardsoftware bildet diese Realität oft nur unzureichend ab. Low Code-Plattformen können hier Abhilfe schaffen, weil die Vertriebssteuerung zum Beispiel Dashboards, Lead-Management-Tools und Pipeline-Übersichten eigenständig anpassen kann, ohne jedes Mal die IT einschalten zu müssen.

Besonders im Bereich CPQ (Configure, Price, Quote) können Low Code-Ansätze ihre volle Wirkung entfalten, beispielsweise mit der CPQ-Lösung CAS Merlin CPQ. In Branchen wie dem Maschinen- und Anlagenbau oder in der Telekommunikation umfassen Angebote oft hunderte Produktkombinationen mit technischen Abhängigkeiten und dynamischen Preismodellen. Regelbasierte Konfigurations-Engines führen den Vertrieb fehlerfrei durch alle Optionen und prüfen Konfigurationen in Echtzeit. Produktmanager können Regelwerke, Rabatte und Freigabe-Workflows visuell pflegen, ohne in den Code eingreifen zu müssen. 

Klassische ERP- und CRM-Lösungen bilden das stabile Rückgrat der Unternehmens-IT. Gleichzeitig müssen individuelle Anforderungen schnell und flexibel umgesetzt werden. Ein Diskussionspapier des Bitkom-Verbands kommt zum Ergebnis, dass Low Code und No Code ERP- oder CRM-Standardsoftware nicht ersetzen, sondern sie ergänzen können. 

In der Praxis entsteht so ein Schichtenmodell: Das Standardsystem bleibt unangetastet und updatefähig. Darüber liegt eine Low Code-Ebene, auf der sich spezifische Anforderungen umsetzen lassen, etwa ein maßgeschneidertes Freigabeverfahren für Rabatte oder eine App zur Erfassung von Messe-Leads. Vorkonfigurierte APIs sorgen für den Datenaustausch in Echtzeit.

In genau diesem Kontext setzen einige Anbieter auf Plattformansätze, die etwa CRM- und Vertriebsprozesse flexibel anpassen lassen. Ein Beispiel ist die app-basierte Lösung SmartWe, die Unternehmen unterstützt, CRM-Prozesse digital abzubilden und über einen integrierten App Designer eigene Ansichten in Form von Apps zu erstellen. Auch mit der in SmartWe integrierten Business Process Automation lassen sich wiederkehrende Aufgaben mit wenigen Klicks zu einem ganzheitlichen Prozess per Drag & Drop gestalten. 

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Low Code und No Code?

No Code-Plattformen richten sich an Fachanwender ohne Programmierkenntnisse. Anwendungen entstehen vollständig über visuelle Oberflächen. Low Code-Plattformen bieten zusätzlich die Möglichkeit, eigenen Code zu schreiben und so über die visuellen Möglichkeiten hinauszugehen. Sie eignen sich für Entwickler und technisch versierte Anwender, die komplexere Anforderungen umsetzen möchten.

Sind Low Code und No Code das Gleiche wie Vibe Coding?

Nein, Low Code, No Code und Vibe Coding sind unterschiedliche Ansätze. Während man bei Low Code und No Code zum Beispiel mithilfe grafischer Oberflächen und Drag&Drop Anwendungen ohne oder mit nur wenig Programmierkenntnissen erstellen kann, ist es beim Vibe Coding möglich, über geeignete KI-Tools wie Cursor oder Claude Code Software über die Eingabe natürlicher Sprache komplett ohne Programmierkenntnisse zu erstellen.

Für welche Unternehmen lohnt sich Low Code besonders?

Besonders für mittelständische Unternehmen, die unter dem IT-Fachkräftemangel leiden und trotzdem zügig digitalisieren müssen, ist Low Code attraktiv. Aber auch Großkonzerne profitieren, indem sie Low Code nutzen, um starre Legacy-Systeme agil zu erweitern und den Stau von IT-Anforderungen abzubauen.

Wie erkenne ich, ob sich Low Code oder No Code besser eignet?

Drei Faktoren sind entscheidend: die Komplexität des Anwendungsfalls, das zu erwartende Datenvolumen und der technische Reifegrad der Nutzer. Für einfache Formulare und Freigabe-Workflows reicht No Code. Sobald komplexe Berechnungen, große Datenmengen oder individuelle Logiken ins Spiel kommen, ist Low Code die bessere Wahl.

Welche Rolle spielen Fachabteilungen bei Low Code und No Code?

Fachabteilungen entwickeln sich vom reinen Anforderer zum aktiven Gestalter. Als sogenannte Citizen Developers modellieren sie Lösungen selbst und arbeiten idealerweise in Fusion Teams eng mit der IT zusammen. So entstehen Anwendungen, die fachlich passgenau und technisch sauber aufgesetzt sind.

Kann Low Code oder No Code klassische Softwareentwicklung ersetzen?

Nein – zumindest noch nicht. Für komplexe Kernsysteme, sicherheitskritische Infrastrukturen und spezifische Algorithmen bleibt klassische Programmierung unverzichtbar. Low Code und No Code sind eine Ergänzung, die den Fokus professioneller Entwickler auf strategische Projekte verschiebt.

Ist Low Code oder No Code für CRM- und CPQ-Systeme geeignet?

Ja, sogar besonders gut. Im B2B-Vertrieb ändern sich Preisstrategien, Produktportfolios und Kundenanforderungen laufend. Low Code-Ansätze ermöglichen es, CRM-Dashboards, Konfigurationsregeln und Freigabe-Workflows schnell anzupassen. Das verkürzt die Angebotsphasen und reduziert Fehler bei komplexen Konfigurationen spürbar.

Low Code und No Code als Beschleuniger der digitalen Transformation

Gerade für den Mittelstand sind Low Code und No Code wirksame Hebel. Kleine und mittlere Unternehmen scheitern bei der Digitalisierung oftmals an begrenzten IT-Ressourcen und Budgets. Eine Studie der Universität Kassel zeigt, dass Fachanwender nach kurzem Training ähnlich effizient Webanwendungen erstellen können wie professionelle Entwickler.

Organisatorisch begünstigt der Einsatz von Low Code und No Code die Bildung sogenannter Fusion Teams, in denen Fachexperten und IT-Profis gemeinsam an Lösungen arbeiten. Der klassische Graben zwischen Fachabteilung und IT wird so überbrückt.

In den kommenden Jahren wird die Integration generativer KI die Entwicklung weiter beschleunigen. Fachexperten werden Anwendungen noch einfacher mithilfe grafischer Oberflächen oder natürlicher Sprache zusammenstellen können. KI-Agenten wie Claude Cowork werden zu immer mächtigeren Werkzeugen, die dazu beitragen, die Produktivität zu vervielfachen.

Über den Autor
Die CAS Software AG, Experte für Kundenbeziehungsmanagement (CRM) und Konfigurationslösungen (CPQ), widmet sich täglich Themen rund um Digitalisierung, Zukunftsfähigkeit und gelingenden Beziehungen. Im Fokus steht dabei Customer Centricity: Wer Kundenwünsche konsequent in den Mittelpunkt stellt und Beziehungen aktiv gestaltet, bleibt in einer dynamischen, digitalisierten Welt nachhaltig erfolgreich.

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